You are logged out -> Log in

15.06.2015

Interview mit Dr. Ghassan Handal über seine Erlebnisse in DE

Interview mit dem Vorsitzenden der Fakultät für Biologie & -technologie und Forscher des Labors für Wasser- und Erdbodenanalysen über seine Erlebnisse in Deutschland

Wer sind Sie? Welche Studien wählten Sie?

Ich bin Ghassan Handal. Ich bin in Bethlehem geboren, aufgewachsen und zur Schule gegangen, und habe meinen ersten Universitätsabschluss in Chemie-Biologie an der Bethlehem Universität absolviert. Danach hatte ich die Chance hier als Laborassistent in der Biologieabteilung zu arbeiten.

Es gibt eine sogenannte strategische Planung an der Bethlehem Universität für Bachelorabsolventen. Und damals nutzte ich die Gelegenheit und sprach mit meinem Chef, um ein Weiterstudium zu beginnen. Und dann habe ich von dem KAAD gehört, dem Katholischen Deutschen Akademischen Austauschsdienst. Ich habe mir lange Gedanken gemacht ohne jegliche Deutschkenntnisse nach Deutschland zu gehen- was für eine Herausforderung!. Ich erhielt das Stipendium des KAADs, absolvierte in Bonn einen Intensiv-Sprachkurs für die Sprachprüfung. Es fiel mir anfangs recht schwer in die Sprache einzutauchen.

Wo haben Sie Ihren Master und Ihre Promotion gemacht?

Ich wurde an der Uni Hohenheim-Stuttgart für den Master in Biologie und der Forschung in der Abteilung Zoologie-Parasitologie zugelassen. Nach dem Master kehrte ich nach Bethlehem zurück, arbeitete dort vier Jahre lang als Professor. Kurz darauf wurde ich als Vorsitzender der Bioogieabteilung ernannt. Nach drei Jahren kam Dr. Carsten Walbiner, Vertreter des KAAD auf mich zu, und bat mir eine Promotion in Deutschland an. Ich hatte über vieles nachzudenken, schließlich war ich verheiratet, hatte ein Kind und hatte ein Alter erreicht, indem man eigentlich andere Ziele im Leben verfolgt. Doch ging ich 2007 dann nach Hamburg für 2 ½ Jahre, um dann mit abgeschlossener Promotion nach Hause zurückkehren zu können.Dr.Ghassan-Handal

Wie haben Sie Ihre Zeit in Deutschland erlebt? Gab es Hindernisse, Probleme?

Auf kultureller Ebene hatte ich überhaupt keine Probleme. Ich denke, Christ zu sein, half mir dabei das Verständnis der Menschen und ihre Mentalität zu verstehen.  Ein Problem war anfangs das Wetter für mich. Als es das erste Mal in Stuttgart geschneit hatte, blieb ich zuhause wie auch in Bethlehem, doch merkte ich schnell, dass trotzdem jeder zur Arbeit ging. Auch erlebte ich dort, dass erste Mal ‘hitzefrei’. Das Essen fand ich sehr lecker, besonders Spätzle und Schwarzwaldtorte.

Welche Erfahrungen/Erlebnisse haben Dich aus der Zeit in DE geprägt?

Da meine Mutter auf eine deutsche Schule in Beit Jala ging, lernten wir schon früh die deutsche Alltagspraxis kennen. Darunter fiel der Respekt für die Zeit, pünktlich zu sein, produktiv zu sein, keinen Tag zu haben, an dem man nichts erledigt hat. Diese enorme Produktivität, die Rationalität, dies macht unter Anderem den Staat, die Gesellschaft aus, auch in geschäftlichen Angelegenheiten rational zu sein, auch den vielen Stress in Kauf zu nehmen.

Diese Einstellungen habe ich mit hierher genommen, das bringe ich meinen Kindern bei, auch was Zeit bei der Arbeit bedeutet.

Dadurch, dass ich keine Mauer aufgebaut habe, mich nicht vor der deutschen Kultur isoliert habe, habe ich nur gute Erfahrungen gemacht. Jeder, der in einem anderen Land lebt, sollte so offen sein. Du musst nicht alles verstehen, aber verstehen, dass es zwei verschiedenen Kulturen sind.

Wie haben Ihre Kommilitonen auf Sie und Ihre Herkunft reagiert?

Sie haben mich sehr gut aufgenommen. Mir war klar, ich muss die Sprache lernen, und das imponierte ihnen. Ich wurde zu jeglichen Veranstaltungen eingeladen, fühlte mich nie als Ausländer, und war in der Gesellschaft integriert.

Gab es den Gedanken nach DE zu immigrieren?

Natürlich dachten wir an die Zukunft unserer Kinder mit den ganzen ökonomischen und politischen Problemen hier. Doch ich habe einen guten Job, ein Zuhause, Familie und Freunde in Bethlehem. Was braucht man mehr zum leben. Wenn ein deutscher Kommilitone herkäme, würde er behaupten, ich befände mich im Gefängnis. Ich kann nur über Amman ausreisen, und  Reisen im Ausland erfordert viel Papierkram mit den Visa und alles. Doch ich habe eine Verantwortung als Palästinenser, als Bethlehemer, als Christ. Wenn meine Kinder das Leben hier nicht mehr möglich finden, dann sind sie frei zu gehen. Das zweite Stipendium erhielt ich genau deswegen, weil sie wussten, dass ich in Palästina bleiben werde. Ganz rational gesprochen: Deutschland braucht micht nicht, doch Palästina braucht ausgebildete, kluge Leute. Uns geht es besser als in vielen anderen Ländern wie in Afghanistan, Iran,.. Das ist eine Gnade für uns.

 

Das Interview wurde auf Deutsch/Schwäbisch geführt. Ich bedanke mich für die Zeit und das nette Interview, welches ich mit Dr. Ghassan Handal führen durfte.

Bethlehem University Foundation
Email: brds@bufusa.org
Phone: +1-240-241-4381
Fax: +1-240-553-7691
Beltsville, MD USA
Bethlehem University in the Holy Land
E-mail: info@bethlehem.edu
Phone: +972-2-274-1241
Fax: +972-2-274-4440
Bethlehem, Palestine