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                                                                                                                                                                                   20. März 2015

Zukunftsperspektiven palästinensischer Studenten

An der Universität Bethlehem studieren zur Zeit 3254 Palästinenser, davon sind 77,1% Frauen und 26 % Christen. Die Universität  hat sich dazu verpflichtet jungen Menschen Perspektiven für ihre berufliche und soziale Zukunft zu vermitteln.

Im Gespräch mit zwei Absolventen und zwei ehemaligen Studenten der BU stand dieses Thema im Mittelpunkt, und eröffnete eine neue Sichtweise auf die edukativen und sozialen Bedingungen, denen es hier zu begegnen gilt.

Amira und Maram. Beides junge, kluge und selbstbewusste Frauen, berichten über ihre Entscheidung Buchhaltung mit BWL an der Bethlehem Universität zu studieren. Amira, 26 Jahre und verheiratet, wollte eigentlich in die Tourismus-Branche gehen, doch da man im Tourismus zu wenig Geld verdiene und er nicht krisenfest sei, wechselte sie zur Buchhaltung, da dies ein Arbeitsfeld sei, welches immer gebraucht werde und wichtig sei. Bei der Wahl des Arbeitsfeldes ist immer auch der Gedanke präsent, wie hoch das Einkommen ist, und wie die Arbeitschancen stehen, denn besonders die Jugendarbeitslosigkeit ist in Palästina gefährlich  hoch. Jedoch ist es ein fortlaufender Trend unter den jungen Leuten nach der weiterführenden Schule den Bachelorabschluss zu machen, daraufhin den Master, doch da die Möglichkeiten beschränkt sind, diesen hier zu machen, können sich die palästinensischen Studentinnen auch vorstellen ins Ausland zu gehen. Verdeutlicht wurde auch der Zustand, dass es besonders für Christen und Frauen viel schwieriger  ist eine gute Arbeit zu finden, und es von der Gesellschaft kritisch angesehen wird, wenn Frauen zunächst Karriere vor Familiengründung stellen.

Jessica, 24, studierte auch BWL, denn ihre Eltern sahen in diesem Feld das höchste Arbeitspotenzial, und arbeitet nun in der Personalabteilung eines Wirtschaftsunternehmens in Beit Jala. Sie erzählt, dass sie bis zu 20 Bewerbungen verschickt hatte bis sie einen Job fand. Anfangs gab es Jobangebote, bei denen sie nachts arbeiten sollte, doch dies sei für Frauen dieser Kultur nicht angemessen. Der Career Day, welcher von dem Absolventenbüro der Uni organisiert wird, findet jedes Jahr statt.  Während  des Career Day wurde Jessica gründlich beraten, wie auf Jobsuche zu gehen,  wie einen professionellen Lebenslauf zu schreiben; sie wurde gecoached  im Interview geben und welche Klamotten zu tragen sind. Auch halfen ihr Kurse und Seminare, bereitgestellt von der Uni, die sie nebenbei absolvierte, da die amerikanischen Bücher nicht auf die Arbeitsrealität angepasst seien, und nur theoretisches Wissen vermitteln würden. So bekäme man erst das wirkliche wichtige Wissen in seiner Arbeit selber.

Jessica möchte wie viele andere christliche Mädchen auch noch ihren Master machen, doch betonte sie, dass sie Angst habe überqualifiziert zu sein, denn Firmen hier können es sich oft nicht leisten gut qualifizierte Arbeitskräfte zu bezahlen. Und das Gehalt werde nicht an ihren Ausbildungsgrad angepasst, außerdem verdienten Männer selbst wenn sie eine niedrigere Position im Geschäft haben mehr als Frauen.

Das palästinensische Bureau für Statistik zeigt, dass nur 19% der Frauen arbeitstätig sind und je höher der Ausbildungsgrad umso weniger gibt es Arbeitsmöglichkeiten.

Auf die Frage antwortend, ob sie aus Arbeitgründen emigrieren würde, meinte sie, sie könne es sich nicht vorstellen Palästina zu verlassen, denn dies sei ihre Heimat, und sie sei der festen Überzeugung, dass es junge Leute mit großartigen Köpfen gibt, und diese eine Chance verdienen.

Ein Trend, der sich zeigt, ist der Beliebtheitsgrad von Naturwissenschaften bei Mädchen. In Naturwissenschaft sind neun von zehn Studenten Mädchen, doch aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse heiraten viele Mädchen und werden schwanger während oder kurz nach ihrer Studienzeit. Da Beruf und Familie viel Disziplin und Verantwortung abverlangen von diesen jungen Frauen, verfolgen viele von ihnen nach ihrem Abschluss keine Karriere mehr und gehen somit dem Arbeitsmarkt verloren.

Ein weiterer Hochschulabsolvent Mike Hazboun erlebte etwas, was viele Studenten erfahren müssen, dass sie nicht in dem Arbeitsfeld Arbeit finden, was sie studiert haben. Er selbst studierte Mathematik und Chemie als Jahrgangsbester, dann hangelte er sich danach von Nachhilfejobs zu Teilzeitjobs bis er an der BU einen Job im Digital Media Center fand.

Ein weiteres Problem ist bei der Jobsuche auch, dass die Zahl der Absolventen immer mehr steigt, doch die Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt nicht wächst. Trotzdem gilt es in der Gesellschaft als Hoch angesehen, wenn man einen Universitätsabschluss hat. Wenn sich trotz guter Berufsausbildung keine Zukunftsperspektive abzeichnet, ist es naheliegend, dass der Wunsch sich im Ausland eine Zukunft aufzubauen für viele junge Palästinenser immer stärker wird.

Was allen vieren stetig bewusst ist, ist dass die politische Lage des Landes die Arbeitsschancen der Menschen bestimmt, und man so nie die gänzliche Sicherheit erlangen kann einen guten Job mit Zukunftspotenzial zu erhalten.

Dieser Artikel erschien in der Zeitschrift Heiliges Land des Schweizerischer Heiligland-Verein Ausgabe 01/2015. Änderungen vorbehalten.

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