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 13. September 2016

BU möchte im Kampf gegen Plagiate zu westlichen Universitäten aufschließen    

Spätestens seit Karl-Theodor zu Guttenberg weiß in Deutschland fast jeder, was ein Plagiat ist und wie verheerend es sich auswirken kann. In Palästina ist das bisher anders. Folgt man der Argumentation von Imad Abu Dayyeh und Imad Al Skakiyya, zwei Mitgliedern der Englischfakultät der Bethlehem Universität, liegt das unter anderem an der kulturellen Prägung. Ist Schummeln in westlichen Ländern weitestgehend verpönt, gilt es in arabischen Ländern häufig sogar als clever, erreicht man doch mit weniger Aufwand ein besseres Ergebnis. 

Um weitere Gründe für die geringe Aufmerksamkeit auf dieses Thema zu finden, stellten die beiden an der Universität Nachforschungen an. Das Ergebnis präsentierten sie am Donnerstag, 13. Oktober, einem kleinen, dafür aber umso interessierteren Publikum in der Furno Hall. 

Im Mittelpunkt der Recherchearbeiten standen sieben Hypothesen, die die Forscher zu beginn der Sucharbeiten aufgestellt hatten. Vier davon bezogen sich auf Studenten, 3 auf Lehrer. Die ersten beiden davon behandeln das Vorwissen bezüglich Plagiaten. 

Hypothese 1: Die meisten 1.Semester-Studenten haben nur ei n sehr begrenztes Wissen über Plagiarismus. 

Hypothese 2: Die meisten Lehrer sind sich voll und ganz bewusst, was Plagiarismus ist. 

Um diese Hypothesen zu überprüfen, nutzen sie das E-Mail System der BU und schickten eine Umfrage mit Fallbeispiele an alle Lehrer und 1. Semester-Studenten. Die Befragten sollten die Fallbeispiele einschätzen und angeben, ob es sich dabei um Plagiarismus handelt oder nicht. Die Antworten erhielten dann einen Wert, wodurch es den Forschern ermöglicht wurde, einen Durchschnittswert zwischen eins (niedrig/low) und drei (hoch/high) zu ermitteln. 

Das Ergebnis überraschte nicht nur die beiden Forscher. Entgegen ihrer Erwartungen schnitten die Lehrer nämlich deutlich schlechter ab als die Studenten. Lagen beide Gruppen bei den vergleichsweise einfachen Fällen noch gleichauf, lagen die Studenten nur bei drei der schwierigen Fälle kollektiv daneben. Bei den Lehrern waren es sage und schreibe neun(!). 

Daher galt es nun, nach Ursachen zu suchen, was auf Grundlage der verbleibenden fünf Hypothesen passierte. 

PlagiarismHypothese 3: Der Großteil der Studenten begeht Plagiarismus auf Grund seiner falschen Auffassung darüber, was Plagiarismus ausmacht. 

Hypothese 4: Studenten neigen zu Plagiaten auf Grund ihrer Schwierigkeiten mit der englischen Sprache. 

Hypothese 5: Studenten neigen zu Plagiaten, da keine einheitliche Regelung diesbezüglich besteht.   

Hypothese 6: Die meisten Lehrer sehen die ungenügenden Recherchefähigkeiten ihrer Studenten als den Hauptgrund für Plagiarismus.  

Hypothese 7: Die meisten Lehrer haben keine klare Regelung für Studenten, die Plagiate einreichen. 

Beide Seiten sind sich in diesen Punkten überraschend einig, bieten aber noch weitere Gründe an. So projizieren die Lehrer einige der Studentenproblem selbstkritisch auch auf die Fakultäten. 

Ähnlich sieht das Bild bei möglichen Lösungsvorschlägen aus. Einig sind sich die Lehrer mit den Schülern vor Allem in vier der vorgeschlagenen Punkte:  

  1. Es muss auf Allen Leveln gemeinsam gearbeitet werden.  
  1. PlagiarismStudenten müssen in angemessener akademischer Arbeit unterrichtet werden. 
  1. Es müssen konsequente und allgemein anerkannte Disziplinarmaßnahmen etabliert werden. 
  1. Bei diesen darf keine Nachsicht gewährt werden. 

Bei den selbst eingebrachten Lösungsvorschlägen wird dann aber doch eine gewisse Uneinigkeit sichtbar. Während die Schüler die Lehrer mehr in der Verantwortung sehen, sich mehr Vorbereitung und weniger Belastung wünschen, schieben die Lehrer die Verantwortung weiter auf die Universität an sich. In ihren Augen sind ein separates Trainingscenter und mehr Literatur bzw. Ratgeber, was beides Initiative der Studenten verlangt, die sinnvolleren Alternativen. Imad Abu Dayyeh und Imad Al Skakiyya geben all dies als Denkimpulse weiter, und hoffen, damit den ersten Stein ins Rollen gebracht zu haben. Getreu ihres Mottos „Denk global, handle lokal!“ erhoffen sie sich ein Umdenken nicht nur an der BU, sondern auch an weiteren palästinensischen Universitäten, damit die arabische Bildungslandschaft weiter zur westlichen aufschließen kann.  

Auch wollen sie die Forschungen in Zukunft eiterführen, wie sie auf eine der zahlreichen Fragen des interessierten Publikums antworteten. Der nächste Schritt sei, sich tatsächliches Material vorzunehmen und Arbeitsproben aus der BU zu prüfen. So könne man mehr über den Charakter von Plagiaten an der Universität herausfinden. 

Die Bethlehem Universität unterstützt Imad Abu Dayyeh und Imad Al Skakiyya weiterhin mit großer Freude! 

 

 

 

 

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