You are logged out -> Log in

 8. September 2016

"Black Activist" Greg Thomas hält Vorlesung an der BU

Greg Thomas in front of a portrait of George JacksonWie viel haben der Besatzungszustand Palästinas und die Unterdrückung dunkelhäutiger Menschen in den Vereinigten Staaten gemeinsam? „Vieles!“, ist sich Dr. Greg  Thomas, Professor für Black Studies an der Tufts University in Massachusetts, sicher: Was die Polizeimorde beispielsweise, die im Moment weltweit durch die Nachrichten geistern, in den USA sind, seien für die Palästinenser die Militäroperation der Israelis, denen regelmäßig Palästinenser zum Opfer fallen. Am 8. September besuchte Greg Thomas die Universität bereits zum zweiten Mal im Rahmen einer neuen Vortragsreihe.

Der Autor mehrerer Bücher und Artikel über den Freiheitskampfs dunkelhäutiger Amerikaner ist im Rahmen seiner Arbeit immer wieder über den Linksaktivisten George Jackson gestolpert, das Lebenswerk des „Black Panther“-Mitglieds fesselte ihn. Jackson war als 18-jähriger auf Grund seiner politischen Ansichten inhaftiert worden und verblieb bis zu seiner Ermordung durch die Gefängniswärter  im Jahr 1971 in Haft. In seiner Gefangenschafft blieb er politisch aktiv, überzeugte seine Mithäftlinge und drückte sich immer häufiger in poetischen Texten aus. Diese wurden regelmäßig im Parteimagazin der Black Panther veröffentlicht.

Nach seinem Tod fand man in seiner Zelle unter anderem ein Gedicht namens „Blame it on the sun“, welches ebenfalls in der Zeitschrift erschien und zu einer Art Credo und Symbol der Black Activists Bewegung wurde. Erst später stellte sich raus, dass George Jackson gar nicht der Autor des Gedichts war. Er hatte es lediglich aus einem Buch transkripiert. Der Name dieses Buches:  Enemy of the Sun – Poesie des palästinensischen Wiederstands. Der Autor des Gedichts: Sami Al-Qasim, einer der beliebtesten Dichter Palästinas.

Für Greg Thomas mehr als nur ein schlichter Zufall. Für ihn ist es der Beweis, wie eng die beiden Gruppen in ihrem unglücklichen Schicksal verbunden sind. Seit einger Zeit hält er bei verschiedenen Anlässen Vorträge über George Jackson, wie nun an der Bethlehem University. Auch fungiert er als Kurator einer Ausstellung in der Al-Quds Universität unter dem Titel „George Jackson in the Sun of Palestine“. In seinen Vorträgen geht er dabei auch auf die aktuelle afroamerikanisch-palästinensische Solidarität in Literatur und Poesie ein. Dabei nennt er auf amerikansicher Seite die Dichterinnen und Dichter June Jordan, Marvin X (Imam Maalik El Muhajir), Laina Mataka and Amiri Baraka. Auf palästinensischer Seite finden sich diese Solidaritätsmotive vor Allem bei den Dichtern Suheir Hammad und Susan Albuhawa.

Die Studierenden und sonstigen Zuhörer lauschten gebannt den Ausführungen des Professors, der über sich selber sagt: „Ich möchte, dass meine Zuhörer meinen Standpunkt als radikal empfinden.“ Das bringt natürlich viel Diskussionsstoff mit sich, welcher in der anschließenden Fragerunde seinen Platz fand. Unter Anderem die Studentin RoseAnn Jerashy stellte eine sehr gute Frage: „Sie haben sich in ihrer Vorlesung auf die Verbindungen zwischen Gesellschaften, die durch ihre revolutionären Bestrebungen gezeichnet sind, fokusiert. Ich frage mich, ob es nicht Aber auch individuelle Aspektegibt, die bei jeder Revolution anders ablaufen und daher innerhalb der Gesselschaft und nicht über Zusammenarbeit gelöst werden müssen?“ Auch auf derartige Fragen hatte Dr. Thomas eine klare Antwort parat: „Die heutige Politik wird bestimmt von  bourgoisem Individualismus und der dazugehörigen Pseudo-Politik. Minderheiten und Unterdrückte finden alleine kaum einen Weg in den politischen Kurs, dass geht nur gemeinsam.

Insgesamt wurde die Vorlesung sehr gut aufgenommen, die Studenten standen im Anschluss Schlange, um ein gemeinsames Foto für die Facebook-Timeline zu ergattern.

„Es ist wichtig, mehr Vordenker mit speziellen Standpunkten an die Uni zu holen, um den Studenten die gesamte Bandbreite des politischen und gesellschaftlichen Denkens zu präsentieren“, stellt Professor Jamil Khader, Dekan für Foschung an der Bethlehem University, heraus. Daher soll Greg Thomas als Auftakt für eine Reihe von Vorträgen dienen. Die Studierenden sind gespannt!

 
Bethlehem University Foundation
Email: brds@bufusa.org
Phone: +1-240-241-4381
Fax: +1-240-553-7691
Beltsville, MD USA
Bethlehem University in the Holy Land
E-mail: info@bethlehem.edu
Phone: +972-2-274-1241
Fax: +972-2-274-4440
Bethlehem, Palestine